In den 1990er Jahren fand die Basler Performanceszene nach einer Phase der Öffnung zu einer neuen Aktualität. Bei den Performerinnen und Performern wurde die Tendenz sichtbar, sich zu professionalisieren, um in der Öffentlichkeit vermehrt wahrgenommen zu werden. Ebenso entstand das Bedürfnis nach weiteren Veranstaltungsorten und Plattformen für die Performancekunst als Orte des Austauschs und der Reflexion. Im Gegensatz zu den 80er Jahren stand weniger das Bedürfnis nach freien Räumen für die Kunst wie z.B. die Stadtgärtnerei oder die Kaserne in Basel im Vordergrund, sondern es wurden neu aktiv Kooperationen mit öffentlichen Institutionen und potenziellen Geldgebern angestrebt. Die Annäherung an bestehende Strukturen und die Schaffung von Orten, die mit öffentlichen Geldern mitfinanziert wurden, unterstützte die Vielfalt und Lebendigkeit der Basler Performanceszene. Im Gegenzug war in dieser Zeit auch ein Bedürfnis zur Rückbesinnung und Individualisierung unter den Performer/innen vorhanden. Gemeinschaftliches Agieren trat zeitweise in den Hintergrund.
Anfang der 90er Jahre sprach der Kunstkredit Basel erstmals Geld für die Performancekunst und unterstützte damit einzelne Aufführungen vor allem im öffentlichen Raum. Während dieser Zeit wurden in der Galerie Stampa, in der Kunsthalle Basel, im Palazzo Liestal und an weiteren Orten Performances aufgeführt. Im Jahr 1994 entstand im Areal Warteck der Kaskadenkondensator KASKO – Projektraum für aktuelle Kunst und Performance, in dem in den ersten Jahren neben Performances mehrheitlich Ausstellungen gezeigt wurden. Ab 1998 fanden regelmässig Performanceaufführungen statt und es wurde im KASKO als zusätzliche Plattform von Andrea Saemann und Pascale Grau die erste schweizerische Plattform für Performancekunst mit monatlichen Performances und „Wortgast – Gesprächen“ eingeführt, die dem Publikum die Gelegenheit zur theoretischen Reflexion boten. Wichtige Impulse kamen in dieser Zeit auch von der Universität Basel, wo die Theaterwissenschaftlerin Gabriele Brandstetter wegweisende theoretische Beiträge zur Performancekunst lieferte.
In diesem Jahrzehnt etablierte sich die Performancekunst weiter, sodass an der damaligen Schule für Gestaltung und Kunst in Basel das Unterrichtsmodul Performance in die Kunstausbildung aufgenommen wurde. Prägend als Dozierende sind bis heute die Künstlerin Muda Mathis und der Künstler Heinrich Lüber. Aus dem Ausbildungsgang sind Künstler/innengruppen wie G.A.B.I. oder das Performancefestival Act von und für Studierende und Dozierende von verschiedenen Kunsthochschulen entstanden. Einen weiteren wichtigen Meilenstein stellte das Festival und die begleitende Publikation „Performance Index“ aus dem Jahr 1995 dar, die von der Projektgruppe (Hedy Graber, Sabine Gebhardt Fink, Karin Roth, Clara Saner, Martina Siegwolf, Andreas Stäuble und Heinrich Lüber) konzipiert und herausgegeben wurde. Diese Dokumentation über Kunstschaffende ermöglichte einen umfassenden Einblick in die damalige Schweizer Performanceszene. Im Jahr 1997 wurde das zweite Performance Index Festival organisiert und der Ordner „Performance Index“ mit weiteren 39 Künstler/innen und theoretischen Texten ergänzt. Aus diesen vielfältigen Aktivitäten und Initiativen getragen von Performer/innen, Kurator/innen, Vermittler/innen und Theoretiker/innen ergibt sich anhand von Dokumentationen, Videos, Zeitzeug/innen etc. rückblickend eine spannende und komplexe Einsicht in die Basler Performanceszene der 1990er Jahre, die theoretisch aufgearbeitet werden kann.