Andrea Saemann im Gespräch mit Chris Regn
Chris Regn im Gespräch mit Andrea Saemann
Beginnen Spuren:
Zu den Projekten „bildwechsel/KünstlerInnenarchiv“ und „generation gap“
Mit diesem Projekt hat sich zunächst eine KünstlerInnengruppe (Chris Regn als Teil davon) in Nürnberg Raum verschaffen, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Eine kollektive Gruppenstruktur bildete die Basis. 1978 fand die Gruppe im Frauenzentrum Nürnberg Raum, um in gemeinsamen Aktionen politisch aktiv und künstlerisch produktiv zu werden. Ziel war es, politische Veränderungen zu bewirken und Lebensbedingungen neu zu gestalten. Dabei spielte die Auseinandersetzung mit künstlerischen Prozessen anderer Künstlerinnen eine wichtige Rolle. So wurde 1981 das „Künstlerinnenarchiv Nürnberg“ gegründet. Mit seiner Vielzahl an Büchern, Interviews und Video-Dokumenten wurde es zum Wissensfundus für weiteres künstlerisches Arbeiten.
1992 übersiedelte das Archiv nach Hamburg, wo es gemeinsam mit „bildwechsel“ einen Dachverband für Frauen, Medien und Kultur bildete. Ein wichtiger Aspekt von „bildwechsel/KünstlerInnenarchiv“ ist es, Künstlerinnen-Rollen als kulturell geprägt erfahrbar und so dekonstruierbar zu machen.
Das Projekt entstand 2002 und wollte die Begegnung mit Wegbereiterinnen der Performancekunst fördern: mit Interviews, Performances und Events. Ausgehend von der Erkenntnis, dass das Bezugssystem einer jungen Künstlerin kaum über die eigene Generation und die Personen hinausgeht, mit denen sie ausgebildet wurde, nahm Saemann für das Projekt „generation gap“ Kontakt zu älteren Künstlerinnen der internationalen Performanceszene auf. Gemeinsam mit Chris Regn wurden mehrstündige Interviews geführt. Danach entstanden in Bezug auf diese Gespräche Performances, entweder durch die Künstlerin selbst oder durch andere KünstlerInnen. Als Autorin stellte Saemann ihre Interviews anderen Performance-Künstlerinnen zur Verfügung und lud diese ein, daraufhin eine eigene Performance zu entwickeln. Im Verlauf des langen Prozesses entstanden wichtige Einsichten: das persönliche Aufsuchen der Vorbilder – etwa Carolee Schneemanns – erwies sich als immense Erweiterung des eigenen Erfahrungshorizontes und die performativen „Umsetzungen“ der Interviews durch andere Künstlerinnen machten deutlich, mit welch unterschiedlichen Haltungen man sich auf eine künstlerische Arbeit beziehen kann und wie Autorenschaft ganz unterschiedliche Konzepte umfasst.