
2020 formierte sich neues ein Team von Performancekünstlerinnen, Forschenden und Vermittlerinnen mit der Absicht, eine gesamtschweizerische Herangehensweise der kritischen Aufarbeitung der Performance Geschichte anzustreben. Drei Jahre zuvor durch die Ausstellung Performance Process — eine Annäherung an die Schweizer Performancekunst von 1960 bis heute im Museum Tinguely in Basel provoziert und sensibilisiert, wollte das Team gemeinsam mit den Akteurinnen ein gesamtheitlicheres Bild der Performancelandschaften Schweiz aufzeigen.
Alle Aktivitäten sind auf der Webseite Revolving Histories abrufbar.
Zur Vorbereitung der Ausstellung ebenfalls im Museum Tinguely und nach einer intensiven Recherchephase in den Regionen, entstand eine umfangreiche digitale Sammlung von Performance Dokumentationen und Interviews. Im Sommer 2022 zeigte sich diese Fülle und die verschiedenen Qualitäten von Performance Kunst während 3 Monaten. Dieser verstetigte Einsammelvorgang stellt nun eine neue Ausgangslage zur Verfügung für Texte von eingeladenen Autor:innen, die wir in zwei Publikationen veröffentlichen und mit verschiedenen Events vermitteln wollen.
Die Publikationen erscheinen im Herbst 2025 und Frühling 2026 im Vexer Verlag St. Gallen/Berlin. Band I Lesebuch Revolving Histories – Zu translokaler Performance Kunst Schweiz und Band II Atlas Revolving Histories – Zu translokaler Performance Kunst Schweiz.
Die Performance Chronik Basel hat zum Ziel eine Plattform zu schaffen, die Künstler:innen, Theoretiker:innen und Zeitzeug:innen die Möglichkeit bietet, sich über die Geschichte der Performance Kunst Basels zu informieren und aktiv einen Beitrag zur Geschichtsschreibung zu leisten. Anhand der Methode der Oral History entstand im Jahr 2006 eine Art „Karte der Performance Kunst“ Basels. Diese wurde 2014 an einem Anlass im Kasko in Basel bis in die Gegenwart erweitert. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen und in nächsten Treffen mit beteiligten Protagonist:innen wird weiter „erzählt“ werden. Unser Anliegen ist eine kollektive Form der Wissensproduktion.
Die Website Performance Chronik Basel bietet Einblick in eine über 50jährige Geschichte und soll der lebendigen Performanceszene Basels die angemessene Bedeutung und Beachtung geben, die sie verdient. In der Chronik werden auch die produktiven Konstellationen von Stimmungen und Bedingungen aufgezeichnet. Anhand des Zusammenspiels von gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen und den Initiativen von Einzelpersonen, Gruppen und Kollektiven sowie durch die Förderung von Institutionen wird ein Diskurs über künstlerische Produktionen sichtbar gemacht. Diese Fülle von Ereignissen und Aktivitäten sind auf der Karte mit Links ausfindig zu machen.
Zeitzeug:innen und aktiv Beteiligte der Performanceszene sind aufgefordert, die Performance Chronik mit Textbeiträgen, Fotos und Links zu erweitern und zu ergänzen. Die Herausgeberinnen nehmen gerne weiteres Material entgegen.
Revolving Histories und die Performance Chronik Basel
Basierend auf kollektiven Video- und Audiointerviews, Schreibwerkstätten, einer Schwarmsichtung und Gastbeiträgen sowie umfangreichen Materialrecherchen arbeiteten Muda Mathis, Margarit von Büren und Sabine Gebhardt Fink von 2008 bis 2016 als Editor:innen zusammen. Seit 2021 ist die Performance Chronik Basel der Trägerverein für das kollaborative Projekt Revolving Histories. Die Gruppe besteht aus Lena Eriksson, Muda Mathis, Chris Regn, Andrea Saemann für Konzeption/Realisation sowie aus dem erweiterten Projektteam Sabine Gebhardt Fink, Tancredi Gusman, Deirdre O’Leary, Dorothea Rust, Margarit von Büren. Revolving Histories unternimmt eine antihegemoniale Recherchearbeit, führt Quellen und Dokumente zusammen, konzipiert und realisiert das Ausstellungsprojekt BANG BANG – translokale Performance Geschichte:n im Museum Tinguely, sowie die Publikation Performance Chronik Basel – Band 3 (in Vorbereitung).
Die Performance Chronik Basel, die als Verein organisiert ist, versteht sich als kollaboratives Netzwerk von Künstler:innen, Wissenschaftler:innen, Vermittler:innen, Kurator:innen und Zeitzeug:innen zur kritischen Geschichtsschreibung der Performance Kunst von 1970 bis heute.
Die Performance Chronik sammelt und generiert in interdisziplinärer Weise Wissen und Erinnerungen und ist explizit nicht nur ein künstlerisches oder wissenschaftlich-historisches Projekt, sondern sie versucht vielmehr verschiedene Kompetenzen von Künstler:innen und Wissenschaftler:innen sowie von Zeitzeug:innen zu vereinen. In einem exemplarischen Feld (Basel) werden performative künstlerische Praktiken von der Aktionskunst bis zur Performance Kunst bis zu erweiterten performativen Strategien gesammelt und reflektiert. Als erweiterbare Dokumentation und Sammlung in digitaler Form wird bisher gesammeltes Material in der „Digitalen See“ zugänglich gemacht. Sie ist zugänglich ab September 2017 über die Mediathek der HGK/FHNW. Die Website umfasst theoretische Texte, Erinnerungstexte, Interviews, Quellenmaterial (Sammlungen von Videos und Fotos) und Links zu Künstler:innenwebsites und Institutionen sowie Berichte und Reflexionen.
Die „visuelle“ Chronik entstand auf Initiative von Muda Mathis in Zusammenarbeit mit Silvana Iannetta, Sus Zwick und Andrea Saemann im Jahre 2006 in der Absicht, Geschichtsschreibung als Life Act erfahrbar zu machen. Zeichnet sie so als visuelle Chronik die Performance Kunst Basels von 1970 bis zur Gegenwart für ein breites, interessiertes Publikum auf.
Im Rahmen von VIA Studio wurde die Performance-Geschichte Basels während der letzten 40 Jahre erforscht. Dazu waren Protagonist:innen der Basler Performance-Szene (Performer:innen, Veranstalter:innen, Theoretiker:innen, Förderer:innen und Netzwerke) eingeladen, sich gemeinsam zu erinnern. Im mündlichen Austausch wurden Daten und Fakten gesammelt, aufgezeichnet und kommentiert. Die Erzählungen wurden dabei in einer Karte im Sinne eines mind mappings aufnotiert und die Fülle der Erinnerungen bekam eine fassbare Gestalt.
Der Anlass wurde mittels Videodokumentation festgehalten und ist öffentlich zugänglich als erweiterbares Webportal und in Form von begleitenden, theoretischen Publikationen, die sich der Performance Geschichte Basels von 1970 bis heute widmen.
2016 entstand eine 3-Kanal-Videoinstallation aus Archivmaterial von Iris Ganz zur Performance Chronik Basel, Part 2 »Erinnern und Aufzeichnen« 1987–2006; ein 90minütiger Videozusammenschnitt aus Archivmaterial von ca. 170 Performances – die im Rahmen der Recherchen – von Muda Mathis gesammelt und digitalisiert wurden.
Dieser Band enthält die gesammelten Interviews sowie Bild, Text, Dokumente und Video-Material (Stills) aus den 1987er bis zu den 2006er Jahren. Die Publikation versteht sich als ein weiteres Arbeitsinstrument zur Performance Kunst. Der zweite Band gliedert sich in drei unterschiedliche Bild- und Textformate; und enthält wissenschaftliche Texte von Künstler_innen, Kurator_innen und TheoretikerInnen. Im Weiteren umfasst der Band Interviews mit Zeitzeug_innen und schliesslich besteht ein dritter Teil aus kurzen Erinnerungstexten zu Schlüsselperformances.
Auch Teil II wurde von Muda Mathis, Sabine Gebhardt Fink und Margarit von Büren ediert.
Textbeiträge von: Chus Martinez, Heike Roms, Dorothee Richter, Lilo Nein, Sabine Gebhardt Fink, Margarit von Büren, Justin Hoffmann, Marianne Schuppe, Jürg Wiesel, Andrea Saemann, Linda Cassens Stoian und Isabel Zürcher
Interviews mit: Pascale Grau, Martina Siegwolf, Heinrich Lüber, Carola Dertnig, Felicitas Thun-Hohenstein, Ariane Andereggen und Daniel Häni
Erinnerungstexte von: Markus Goessi zu Pascale Grau, Judith Huber zu Gaststube Performance, Pascale Grau zu Genevieve Favre, Silvana Iannetta und Marion Ritzmann zu Andrea Saemann, Muda Mathis zu Hansjörg Marti, Birgit Krüger zu Chen Tan, Pascale Grau zu Clara Saner und Selma Werber, Linda Cassens Stoian zu Nao Bustamante, Steffi Weismann zu Performancegruppe GABI, B. Hagen zu Protoplast und Simone Etter zu Yan Duyvendak.
Erschienen im Diaphanes Verlag Zürich/Berlin 2016 / ISBN/ 978-3-03734-634-1
Wie lässt sich Performance-Kunst in Erinnerung halten? Und wie lässt sich Performance-Kunst angemessen vermitteln? Die »Performance Chronik Basel« dokumentiert performative Arbeiten über bisher weitgehend unpublizierte Fotografien, zahlreiche Interviews und Videostills, vor dem einsetzenden »Floating Gap« – der kollektiven Erinnerungslücke. Ausgangspunkt des Buches (http://www.diaphanes.net/buch/detail/1342) ist die Performance Chronik Basel online, ein kollaboratives Netzwerk, das eine kritische Geschichtsschreibung von Performance Kunst in Anlehnung an Methoden der »Oral History« betreibt.
Mit Interviews mit: Jean-Christophe Ammann, den »Damengöttinnen« Monika Dillier und Lisa Stärkle, Jochen Gerz, Edu Haubensak, Valerian Maly, Reinhard Manz, Franz Mäder, Wolf D. Prix (Coop Himmelb(l)au), René Pulfer, Alex Silber
und Gilli & Diego Stampa.
Textbeiträge von: Sigrid Adorf, Sabine Gebhardt Fink, Ruth Lang, Muda Mathis, Dorothea Rust, Sigrid Schade und Silke Wenk, Anna Schürch und Margarit von Büren.
Die Herausgeberinnen sind Sabine Gebhardt Fink, Muda Mathis und Margarit von Büren.
Erschienen im Diaphanes Verlag Zürich/Berlin 2011 / ISBN 978-3-03734-172-8
Herausgeberinnen und Vorstandsmitglieder: Muda Mathis (Initiantin), Sabine Gebhard Fink und Margarit von Büren
Zusammenarbeit: Iris Ganz (Grafik/Schnitt Videoinstallation), Silvana Iannetta (diverse Aufgaben), Celia Sidler und Valentina Stieger (Recherche), Nicole Boillat (Website), Reinhard Storz (Website XCult), Sus Zwick (Dokumentation), VIA (Hospitality), Chris Regn (Kasko), Andrea Saemann (Map), Michael Heitz (Diaphanes Verlag Zürich/Berlin)